01 August 2011

Reisenotizen Buenos Aires: China Town

Wie das mit Plänen manchmal so geht wurden die, die wir für dieses Wochenende gemacht hatten, völlig über den Haufen geworfen.

Gegen Ende letzter Woche war es in Buenos Aires wieder richtig kalt geworden, und so freuten wir uns nach Feierabend schon darauf, den Freitagabend vor dem kuscheligen Kaminfeuer zu verbringen. Aber als wir uns den Holzvorrat in der Garage ansahen, mussten wir feststellen, dass das Zündholz viel zu feucht war, um damit ein richtiges (und rauchfreies) Feuer in Gang zu bringen. Also beschlossen wir, uns stattdessen ein gutes Steak und ein bisschen internationales Ambiente im lokalen amerikanischen Szenetreff zu gönnen – dem Kansas.

Das Kansas hat sich auf die nordamerikanischen (und deutschen) Essgewohnheiten eingestellt, und man bekommt dort viel früher etwas zu essen als in den argentinischen Restaurants. Wenn man also um 20:00 im Kansas auftaucht, ist schon offen und man ist auch nicht der erste Gast, der unter den spöttischen Blicken der Kellner Platz nimmt, die gerade erst ihren Dienst angetreten haben und eigentlich dabei gewesen waren, alles für den Abend vorzubereiten. Im Gegenteil. Wenn man dort um 20:00 auftaucht, ist der Laden meist schon proppenvoll, die Leute drängeln sich an der Bar und jeder trägt einen Pieper und wartet auf einen freien Tisch.

Genau so war es auch letzten Freitag, und da wir zu großen Hunger hatten, um zu warten, gingen wir zu Plan B bzw. Plan C über. Das Wochenende zuvor hatten wir bei einem Bummel durch Martinez ein indisches Restaurant entdeckt, das wir ausprobieren wollten. Also kletterten wir wieder in den Wagen und machten uns auf den Weg dorthin. Nun ja, der Inder hatte tatsächlich gerade erst aufgemacht, und wir waren die ersten Gäste, die nach einem Tisch fragten. Die Kellnerin war noch gar nicht da, und die Klimaanlage hatte scheinbar gerade erst angefangen, den Laden zu beheizen, doch die Aussicht auf ein leckeres scharfes Curry ließ uns Platz nehmen.

Zu behaupten, wir seien enttäuscht gewesen, wäre die Untertreibung der Woche. Die Klimaanlage konnte es einfach nicht mit dem großen, zugigen Raum aufnehmen, und obendrein spielten sie unmelodische buddhistische Weisen, die keine besonders gemütliche Stimmung aufkommen ließen. Mein Chicken Korma schmeckte wenigstens ein bisschen indisch, aber das Chicken Korma des Gatten hatte einen seltsamen Beigeschmack, so dass er noch bevor uns die Kellnerin in folkloristischen Pluderhosen die Rechnung brachte, Magenkrämpfe bekam. So fuhren wir schnellst möglich nach Hause und machten es uns unter einer Decke auf dem Sofa bequem und tranken eine schöne heiße Tasse Tee, in der Hoffnung, dass dies unsere Verdauung wieder milde stimmen würde.

Nach dieser Erfahrung beschlossen wir zwei Dinge. Erstens: Wenn uns mal wieder nach einer Abwechslung zu der argentinischen Küche ist, verlassen wir uns lieber auf Tipps und Empfehlungen. Und Zweitens: Ich sollte mal wieder häufiger meine indischen Rezepte hervorkramen. Ich hatte meine indischen Gewürze aufgestockt, bevor wir aus Barcelona weggezogen waren, aber was wir noch nicht in Buenos Aires gefunden hatten war Basmati-Reis – echter Basmati-Reis und nicht das, was man uns in Martinez mit der Beteuerung „ja, natürlich, das ist Basmati-Reis“ untergejubelt hatten. Also fuhren wir Samstag nicht wie geplant nach La Boca, um dort die bunten Häuse im Caminito anzuschauen, sondern nahmen den Zug nach Belgrano und bummelten durch das China Town von Buenos Aires.

Das China Town in Buenos Aires ist nicht sehr groß, aber es gibt dort ein paar Supermärkte, in denen man eine gute Auswahl an Gewürzen, Saucen und all den Zutaten findet, die man für ein richtiges Essen braucht. In zahlreichen Kramläden kann man jede Menge Papierlaternen, Farben und Pinsel und allerlei andere chinesische Glücksbringer kaufen, und nach dem Shoppen kann man in einem der vielen chinesischen Restaurants wieder Kraft tanken. Wir taten das im Porteño Dragon wo wir angesichts der hübschen Deko und den ausgezeichneten gebratenen Nudeln von dem oben erwähnten Beschluss Nr. 1 wieder abrückten.

Ich kann das Viertel nur empfehlen ... und ich halte euch auf dem Laufenden, wie der Basmati-Reis schmeckt, den wir gekauft haben.

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