Wenn Expats ins Ausland gehen, bekommen sie häufig ein
interkulturelles Training, damit sie lernen, sich in ihrer neuen Umgebung
zurechtzufinden und nicht gleich jeden Menschen, dem sie begegnen, vor den Kopf
zu stoßen. Kürzlich habe ich gehört, dass es diese Kurse auch für sogenannte
Inpats gibt, die nach einer Entsendung in das Ausgangsland zurückkehren. Ich
musste bei dem Gedanken lachen und habe mich gefragt: „Wie schwer kann es sein,
nach Hause zu kommen?“
Nach den ersten Tagen würde ich diese Frage gerne
zurückziehen. Wir waren nur sechs Jahre unterwegs und sind während dieser Zeit
regelmäßig nach Deutschland gereist. Von daher kann man nun nicht wirklich von
einem Kulturschock sprechen. Dennoch hat sich das Land
sehr verändert. Aber vielleicht bin ich es auch, die sich verändert hat.
Nehmen wir zum Beispiel den Müll. Deutschland war schon
immer ein Vorbild in Sachen Recycling, was unsere Expat-Freunde nicht selten in
den Wahnsinn getrieben hat – zumindest aber die eine oder andere gerunzelte
Stirn verursacht hat.
Aber ich bin damit aufgewachsen und dieses Konzept ist so
tief in mir verwurzelt, dass ich in Barcelona immer die Plastikflaschen an
unserem Concierge Juan vorbeigeschmuggelt und an der Straßenecke in den
richtigen Container entsorgt habe, weil ich ihn Verdacht hatte, dass er sie
einfach nur in den ganz normalen Müll warf. In Buenos habe ich dann brav
Papier, Plastikflaschen und Glas getrennt, nur damit unsere Putzfrau letztlich
alles in einen großen Sack stopfte und an die Straße stellte. Ich hatte einfach
nicht die Energie, mit ihr eine Diskussion über dieses Thema anzufangen.
Vielleicht war das aber auch ein Warnsignal, dass ich mich
langsam von der dunklen Seite vereinnahmen ließ und es höchste Zeit wurde, dass
ich in das Land zurückkehrte, in dem die Mülltrennung - je nach Betrachtungsart
- zur Kunstform oder Philosophie erhoben worden war. Und tatsächlich könnte ich
inzwischen einen Auffrischungskurs gebrauchen, vielleicht in Form eines
interkulturellen Trainings, bei dem mir ein Coach geduldig erklärt, welcher
Müll in welche Tonne gehört.
Bis wir unsere endgültige Bleibe gefunden haben und unsere
Sachen aus Argentinien angekommen sind, leben wir in einer möblierten Übergangswohnung
in Wiesbaden. Hinter dem Haus habe ich eine ganze Flotte von Müllcontainern
entdeckt. Einen für Papier, für Glas und für Plastik – das kann man ja leicht
unterscheiden – einen weiteren für biologisch Abbaubares und noch einen für den
Restmüll. Hm, kommt jetzt das aufgeweichte Stück Küchenrolle in die Biotonne
oder in den Papiercontainer? Muss ich den Pappboden des Joghurtbechers von den
Seitenteilen aus Plastik trennen? Und was mache ich mit den Yoghurtresten? Ist
das Bio??
Da ich weiß, dass die Deutschen und vor allem die
Müllinspektoren – ja, die gibt es tatsächlich – diese Angelegenheit sehr ernst
nehmen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie mir auf die Schliche
kommen und mich im Morgengrauen an die Wand stellen. Aber das ist nur die
gerechte Strafe dafür, dass ich die oben erwähnten Expat-Freunde immer
ausgelacht habe. Ich würde bei der Gelegenheit auch gerne die Frage „Wie
kompliziert kann es denn sein, den Müll zu trennen“ zurücknehmen, die ich euch womöglich
vor ungefähr sechs Jahren gestellt habe. Ich bin jetzt ganz bei euch.
Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.
No comments:
Post a Comment