07 January 2014

Abenteuer Deutschland


Wenn Expats ins Ausland gehen, bekommen sie häufig ein interkulturelles Training, damit sie lernen, sich in ihrer neuen Umgebung zurechtzufinden und nicht gleich jeden Menschen, dem sie begegnen, vor den Kopf zu stoßen. Kürzlich habe ich gehört, dass es diese Kurse auch für sogenannte Inpats gibt, die nach einer Entsendung in das Ausgangsland zurückkehren. Ich musste bei dem Gedanken lachen und habe mich gefragt: „Wie schwer kann es sein, nach Hause zu kommen?“

Nach den ersten Tagen würde ich diese Frage gerne zurückziehen. Wir waren nur sechs Jahre unterwegs und sind während dieser Zeit regelmäßig nach Deutschland gereist. Von daher kann man nun nicht wirklich von einem Kulturschock sprechen. Dennoch hat sich das Land sehr verändert. Aber vielleicht bin ich es auch, die sich verändert hat.

Nehmen wir zum Beispiel den Müll. Deutschland war schon immer ein Vorbild in Sachen Recycling, was unsere Expat-Freunde nicht selten in den Wahnsinn getrieben hat – zumindest aber die eine oder andere gerunzelte Stirn verursacht hat.

Aber ich bin damit aufgewachsen und dieses Konzept ist so tief in mir verwurzelt, dass ich in Barcelona immer die Plastikflaschen an unserem Concierge Juan vorbeigeschmuggelt und an der Straßenecke in den richtigen Container entsorgt habe, weil ich ihn Verdacht hatte, dass er sie einfach nur in den ganz normalen Müll warf. In Buenos habe ich dann brav Papier, Plastikflaschen und Glas getrennt, nur damit unsere Putzfrau letztlich alles in einen großen Sack stopfte und an die Straße stellte. Ich hatte einfach nicht die Energie, mit ihr eine Diskussion über dieses Thema anzufangen.

Vielleicht war das aber auch ein Warnsignal, dass ich mich langsam von der dunklen Seite vereinnahmen ließ und es höchste Zeit wurde, dass ich in das Land zurückkehrte, in dem die Mülltrennung - je nach Betrachtungsart - zur Kunstform oder Philosophie erhoben worden war. Und tatsächlich könnte ich inzwischen einen Auffrischungskurs gebrauchen, vielleicht in Form eines interkulturellen Trainings, bei dem mir ein Coach geduldig erklärt, welcher Müll in welche Tonne gehört.

Bis wir unsere endgültige Bleibe gefunden haben und unsere Sachen aus Argentinien angekommen sind, leben wir in einer möblierten Übergangswohnung in Wiesbaden. Hinter dem Haus habe ich eine ganze Flotte von Müllcontainern entdeckt. Einen für Papier, für Glas und für Plastik – das kann man ja leicht unterscheiden – einen weiteren für biologisch Abbaubares und noch einen für den Restmüll. Hm, kommt jetzt das aufgeweichte Stück Küchenrolle in die Biotonne oder in den Papiercontainer? Muss ich den Pappboden des Joghurtbechers von den Seitenteilen aus Plastik trennen? Und was mache ich mit den Yoghurtresten? Ist das Bio??

Da ich weiß, dass die Deutschen und vor allem die Müllinspektoren – ja, die gibt es tatsächlich – diese Angelegenheit sehr ernst nehmen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie mir auf die Schliche kommen und mich im Morgengrauen an die Wand stellen. Aber das ist nur die gerechte Strafe dafür, dass ich die oben erwähnten Expat-Freunde immer ausgelacht habe. Ich würde bei der Gelegenheit auch gerne die Frage „Wie kompliziert kann es denn sein, den Müll zu trennen“ zurücknehmen, die ich euch womöglich vor ungefähr sechs Jahren gestellt habe. Ich bin jetzt ganz bei euch.

Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden.

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