Wir hatten uns
einen idealen Tag ausgesucht; der Himmel war blau, die Sonne schien, das Thermometer
zeigte 14 Grad an … genau das richtige Wetter, Buenos Aires zu verlassen und
einen Ausflug aufs Land zu unternehmen. Der Verkehr war nicht allzu schlimm,
und so brauchten wir für die 100 km nach San Antonio gerade mal eine Stunde. Da
die Stadt mit seinen 23000 Einwohnern recht überschaubar ist, mussten wir nicht
lange nach dem Hauptplatz suchen – der übrigens im Gegensatz zu allen anderen
argentinischen Orten, die wir bis jetzt gesehen haben, nicht Plaza 25 de Mayo oder
9 de Julio heißt, sondern Ruiz de Arellano. Wir parkten unseren Wagen und
starteten von dort unseren Erkundungsgang durch die mit Kopfstein gepflasterten
Straßen des kolonialen Zentrums.
San Antonio
de Areco wird gerne als die hübscheste Stadt der Pampa bezeichnet und ist für
die Feierlichkeiten am Día de la Tradición im November bekannt. Eine ganze
Woche lang wird in der gesamten Stadt eine Art Gaucho-Festival begangen, bei
dem Pferderennen, Cowboy-Paraden, Volkstanz-Aufführungen und eine Künstlermesse
stattfinden. Das ganze Jahr über beherbergt der Ort zahlreiche Geschäfte und
Werkstätten, in denen die besten Silberschmiede und Sattler des Landes ihre
Waren verkaufen und ihr Können unter Beweis stellen. Die meisten Gegenstände,
die man dort erwerben kann, haben etwas mit der Gaucho-Kultur zu tun; hierzu gehören
z.B. Utensilien, die man zum Trinken von Mate-Tee benötigt, silberne Messer,
Reitausrüstung oder Schmuck im Gaucho-Design.
Beim Stöbern
durch die kleinen Geschäfte wurden wir zwar nicht bei den üblichen Souvenirs
fündig, aber wir kauften in einem kleinen Lebensmittelladen einen Käse und
etwas Schinken für unser Abendessen. Das Probieren hatte uns Hunger gemacht,
und so aßen wir in dem Restaurant La Esquina de Merti am Hauptplatz zu Mittag. Solltest du jemals nach San Antonio kommen, iss dort und bestell die spanische
Tortilla mit Chorizo – und nimm am besten kein großes Hauptgericht. Die
Tortilla ist nicht nur köstlich sondern auch ziemlich voluminös!
Nach dem Mittagessen schlenderten wir hinunter zum Fluss. Zum einen, um das Essen zu verdauen, aber auch, um das Freilichtmuseum Museo Gauchesco Ricardo Güiraldes zu besichtigen, in dem das Dorfleben in der Pampa anschaulich gemacht wird. Das Ganze ist nicht sehr aufwändig gestaltet, aber die nachgebauten oder renovierten Gebäude zeigen, wie früher eine Mühle, eine Taverne, eine Kapelle im Kolonialstil und ein Ranchhaus ausgesehen haben. Highlight des Farmhauses sind zwei Räume, die Ricardo Güiraldes gewidmet sind, einem Nachfahren des Stadtgründers und Autor des Gaucho-Romans Don Segundo Sombra. Nach ihm wurde auch das Museum benannt. Ich benutze das Wort „Highlight“ im weitesten Sinne, da diese beiden Räume vor allem Glaskästen mit verschiedenen Ausgaben seines Romans, Manuskriptseiten und Bilder des Autors enthalten. Da war wirklich jemand stolz auf die lokale Literati.
Auf dem Weg
zum Museum und zurück in die Stadt überquert man die Puente Viejo, eine alte Brücke,
die einmal als Wegzollstation diente und nun zu den touristischen Sehenswürdigkeiten
von San Antonio de Areco zählt. Nun, ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht,
aber das ist vielleicht Geschmackssache und eine Frage der Erwartungen.
Ich kann den
Ausflug nach San Antonio de Areco nur empfehlen, wenn einem der Sinn danach
steht, dem lauten hektischen Buenos Aires mal einen Tag lang den Rücken
zuzukehren, und vielleicht fahren wir im Sommer noch einmal hin, um die Stille
zu genießen. Und vielleicht schaffen wir es sogar zum Gaucho-Festival im
November – falls ja, werde ich hier in diesem Blog darüber berichten.

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