15 July 2012

Reisenotizen - San Antonio de Areco

 Letzte Woche hatten wir ein langes Wochenende, da der Montag der 9. Juli und somit der argentinische Unabhängigkeitstag war und wir nicht ins Büro mussten. Also beschlossen wir, die Zeit zu nutzen und am Samstag einen kleinen Tagesausflug zu unternehmen. Ziel der Fahrt war San Antonio de Areco, die berühmte Gaucho-Stadt in der Pampa nordwestlich von Buenos Aires. Nun, berühmt ist vielleicht zu hoch gegriffen, aber sie wird in allen Reiseführern als eine der Hauptattraktionen des näheren Umlands von Buenos Aires genannt, die man unbedingt gesehen haben muss, also entschieden wir, es zu versuchen.

Wir hatten uns einen idealen Tag ausgesucht; der Himmel war blau, die Sonne schien, das Thermometer zeigte 14 Grad an … genau das richtige Wetter, Buenos Aires zu verlassen und einen Ausflug aufs Land zu unternehmen. Der Verkehr war nicht allzu schlimm, und so brauchten wir für die 100 km nach San Antonio gerade mal eine Stunde. Da die Stadt mit seinen 23000 Einwohnern recht überschaubar ist, mussten wir nicht lange nach dem Hauptplatz suchen – der übrigens im Gegensatz zu allen anderen argentinischen Orten, die wir bis jetzt gesehen haben, nicht Plaza 25 de Mayo oder 9 de Julio heißt, sondern Ruiz de Arellano. Wir parkten unseren Wagen und starteten von dort unseren Erkundungsgang durch die mit Kopfstein gepflasterten Straßen des kolonialen Zentrums.

San Antonio de Areco wird gerne als die hübscheste Stadt der Pampa bezeichnet und ist für die Feierlichkeiten am Día de la Tradición im November bekannt. Eine ganze Woche lang wird in der gesamten Stadt eine Art Gaucho-Festival begangen, bei dem Pferderennen, Cowboy-Paraden, Volkstanz-Aufführungen und eine Künstlermesse stattfinden. Das ganze Jahr über beherbergt der Ort zahlreiche Geschäfte und Werkstätten, in denen die besten Silberschmiede und Sattler des Landes ihre Waren verkaufen und ihr Können unter Beweis stellen. Die meisten Gegenstände, die man dort erwerben kann, haben etwas mit der Gaucho-Kultur zu tun; hierzu gehören z.B. Utensilien, die man zum Trinken von Mate-Tee benötigt, silberne Messer, Reitausrüstung oder Schmuck im Gaucho-Design.

Beim Stöbern durch die kleinen Geschäfte wurden wir zwar nicht bei den üblichen Souvenirs fündig, aber wir kauften in einem kleinen Lebensmittelladen einen Käse und etwas Schinken für unser Abendessen. Das Probieren hatte uns Hunger gemacht, und so aßen wir in dem Restaurant La Esquina de Merti am Hauptplatz zu Mittag. Solltest du jemals nach San Antonio kommen, iss dort und bestell die spanische Tortilla mit Chorizo – und nimm am besten kein großes Hauptgericht. Die Tortilla ist nicht nur köstlich sondern auch ziemlich voluminös!




Nach dem Mittagessen schlenderten wir hinunter zum Fluss. Zum einen, um das Essen zu verdauen, aber auch, um das Freilichtmuseum Museo Gauchesco Ricardo Güiraldes zu besichtigen, in dem das Dorfleben in der Pampa anschaulich gemacht wird. Das Ganze ist nicht sehr aufwändig gestaltet, aber die nachgebauten oder renovierten Gebäude zeigen, wie früher eine Mühle, eine Taverne, eine Kapelle im Kolonialstil und ein Ranchhaus ausgesehen haben. Highlight des Farmhauses sind zwei Räume, die Ricardo Güiraldes gewidmet sind, einem Nachfahren des Stadtgründers und Autor des Gaucho-Romans Don Segundo Sombra. Nach ihm wurde auch das Museum benannt. Ich benutze das Wort „Highlight“ im weitesten Sinne, da diese beiden Räume vor allem Glaskästen mit verschiedenen Ausgaben seines Romans, Manuskriptseiten und Bilder des Autors enthalten. Da war wirklich jemand stolz auf die lokale Literati.

Auf dem Weg zum Museum und zurück in die Stadt überquert man die Puente Viejo, eine alte Brücke, die einmal als Wegzollstation diente und nun zu den touristischen Sehenswürdigkeiten von San Antonio de Areco zählt. Nun, ich war ehrlich gesagt etwas enttäuscht, aber das ist vielleicht Geschmackssache und eine Frage der Erwartungen.

Ich kann den Ausflug nach San Antonio de Areco nur empfehlen, wenn einem der Sinn danach steht, dem lauten hektischen Buenos Aires mal einen Tag lang den Rücken zuzukehren, und vielleicht fahren wir im Sommer noch einmal hin, um die Stille zu genießen. Und vielleicht schaffen wir es sogar zum Gaucho-Festival im November – falls ja, werde ich hier in diesem Blog darüber berichten.

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