Dieses Jahr feiern meine Eltern ihren siebzigsten Geburtstag. Daher haben meine Schwester und ich beschlossen, ein Familientreffen zu organisieren. Da sie in Toronto lebt und ich gerade in Buenos Aires meine Zelte aufgeschlagen habe, kommen diese Gelegenheiten nicht oft vor – das letzte Mal haben wir Vier uns 2007 anlässlich der Kommunion meines jüngsten Neffen getroffen. Es war also höchste Zeit, etwas zu unternehmen.
Nachdem wir kurz mit dem Gedanken gespielt hatten, das Treffen an einem Urlaubsort stattfinden zu lassen, entschieden meine Schwester und ich, die Logistik einfach zu gestalten und meine Eltern in dem kleinem Ort in der Nähe von Aachen zu besuchen, in dem sie leben. So müssten sie nirgends hinfliegen, und letztlich wirkten sie ziemlich glücklich, als wir ihnen sagten dass wir vorbeikommen würden. “Hey, schön, unsere Töchter kommen nach Hause”, sagten sie strahlend. Perfekt – genau die Reaktion, die wir uns erhofft hatten.
Aufgrund des Terminkalenders meiner Schwester wählten wir eine Woche im August, und die Idee war, die hoffentlich freundlichen Sommertemperaturen in Deutschland auszunutzen und Tagesausflüge in der Umgebung von Aachen zu unternehmen. Der Plan ging auf, und das Wetter war an den meisten Tagen herrlich sonnig mit Temperaturen um die durchschnittlich 28 Grad.
Zum Auftakt unserer touristischen Agenda führte uns der erste Tagestrip nach Monschau, einem kleinen beschaulichen Ort in der Nähe der belgischen Grenze. Nach einem Stopp in der historischen Senfmühle, wo wir unsere Vorräte an nicht ganz so gängigen Mixturen aufstockten (ich entschied mich für die Geschmacksrichtungen Curry und Feige), schlenderten wir durch die mit Kopfstein gepflasterten Gassen, schauten bei der berühmten Glasbläserei vorbei, stöberten durch kleinen Lädchen, verdrückten ein leckeres Mittagessen und besuchten eine Ausstellung mit Sandskulpturen. Dort gab es Miniaturausgaben des Kremls, der Sagrada Familia und anderen berühmten Bauwerken, Politikerfiguren und Silhouetten von europäischen Städten zu bestaunen ... sehr beeindruckend.An den folgenden beiden Tagen ging es nach Belgien. Der erste Halt war Gent, wo uns das Wetter zwar ein bisschen im Stich ließ, wir aber dennoch eine Grachtenfahrt unternehmen konnten und mit dem Stadtplan in der Hand durch das historische Zentrum schlenderten und unsere liebe Mühe hatten, die zahlreichen mittelalterlichen Gebäude auseinanderzuhalten. Gar nicht so einfach in Gent. Wir nutzten den bewölkten Nachmittag außerdem, uns das berühmte Altarbild von Hubert van Eyck anzuschauen, zum Belfried hochzustarren und zu entscheiden, nicht hinaufzusteigen, einfach unglaublich köstliche Poffertjes zu essen (naja, die meisten von uns jedenfalls) und die Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.
Nachdem wir die Nacht in Gent verbracht hatten, fuhren wir am nächsten Morgen nach Brügge weiter. Brügge ist ein weiteres mittelalterliches Kleinod, wenn auch viel touristischer als Gent – wobei der Film mit Colin Farrell und Brendan Gleeson den Besucherzahlen vermutlich einen ziemlichen Boost gegeben hat. Da wir bereits eine Grachtenfahrt unternommen hatten, erkundeten wir Brügge zu Fuß und landeten schließlich auf dem Marktplatz, auf dem der Belfried, das Rathaus und die typischen Stadthäuser einen hübschen Rahmen für die Marktstände bilden, an denen man Gemüse und andere frische Lebensmittel kaufen kann. Unser Wissensdurst – und unser Faible für glitzernde Dinge – führte uns in das Diamantenmuseum, in dem unter anderem live vorgeführt wird, wie man einen Diamanten poliert. Ein wenig außerhalb des Zentrums befindet sich der Beginenhof, den wir auf dem Rückweg besichtigten. Hierbei handelt es sich um eine Wohnanlage, die meist um einen Innenhof gruppiert liegt und in der religiöse Laienschwestern Unterschlupf fanden. Es ist immer noch ein sehr friedlicher Ort, den man in Brügge nicht versäumen sollte.
Ein weiteres Highlight auf unserer Agenda war natürlich Köln, mit seinem beeindruckenden Dom, der Fußgängerzone mit all ihren Geschäften und der Altstadt, die direkt zur Uferpromenade führt, wo man draußen sitzen und mit dem Blick auf den Rhein ein schönes kühles Bier trinken kann. Was wir auch dankbar taten, nachdem wir stundenlang in der prallen Sonne herumgelaufen waren. Habe ich gesagt, der Kölner Dom sei beeindruckend? Nun, das ist er auch, aber wir waren uns alle einig, dass uns der kürzlich renovierte Dom von Aachen, das wir an darauffolgenden Tag besuchten, viel besser gefällt. Natürlich, der Kölner Dom ist die dritthöchste Kirche der Welt, aber in diesem Fall spielt die Größe wirklich keine Rolle. Die Mosaike sind einfach wunderschön und verleihen dem Ganzen einen Anstrich von Tausend und einer Nacht, und am liebsten möchte man stundenland dort sitzen bleiben. Aachen besitzt generell eine sehr angenehme Atmosphäre, da es kleiner und weniger hektisch als zum Beispiel Köln ist und ein echtes Studentenstadt-Flair besitzt. Und wir werden diesen Tagesausflug außerdem noch besonders gut in Erinnerung behalten, da wir an dem Nachmittag Pflaumenkuchen mit Sahne aßen – etwas, das man weder in Toronto noch in Buenos Aires bekommt.
Natürlich verflog die Woche viel zu schnell, und wir waren alle traurig als zuerst meine Schwester zurückflog und anschließend ich mich auf den Weg nach Frankfurt machen und am Bahnhof Abschied nehmen musste. Aber es war eine tolle Woche, und wir haben die Gelegenheit genossen, uns mal wieder so richtig miteinander auszuschwatzen – nur wir Vier. Und vielleicht war das der Beginn einer neuen Tradition? Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, das bald mal zu wiederholen.





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