01 September 2012

Wer zum Teufel ist Johnny Allon?


Die Rückkehr nach Buenos Aires bringt immer gemischte Gefühle mit sich. Während ein Teil von mir tief Luft holen muss und auf mich einredet, dass es ja gar nicht so schlimm ist, freut sich die andere Hälfte darauf nach Hause zu kommen, zurück zum Haus, meinem eigenen Bett, dem Altag – und natürlich zum Gatten, den ich dann meist länger nicht gesehen habe.

Es gibt zwei Bilder, die die zwei Herzen in meiner Brust irgendwie ganz gut widerspiegeln.

Der Rückflug nach Buenos Aires mit der Lufthansa ist ein Nachtflug, und wir erreichen Ezeiza für gewöhnlich gegen sieben Uhr morgens. Das Lichtermeer, das sich beim Landeanflug auf die argentinische Hauptstadt unter uns erstreckt ist schon ein beeindruckender Anblick, und mit ein bisschen Glück geht sogar gerade die Sonne auf, wenn die Maschine über der Stadt kreist und in den Sinkflug geht. Aus dieser Perspektive sieht Buenos Aires tatsächlich wie eine Metropole aus, und ich fühle mich immer ein wenig priviligiert in dieser Stadt zu leben, die meinen vom Fernweh gebeutelten Freunden und Bekannten unweigerlich einen Seufzer entlockt und sie mit glänzenden Augen von Tango, Melancholie und einer weit entfernten Welt träumen lässt. Seltsamerweise sind die meisten noch nie dort gewesen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Die Schlange vor dem Einwanderungsbeamten und dem Zoll verpasst dem magischen Moment hoch über den Wolken meist ganz schnell den ersten Dämpfer. Was mich aber ganz bestimmt auf den Boden der Tatsachen zurückholt ist die Fahrt nach Hause. Entlang der Autobahn werden die grünen Flächen in der Nähe des Flughafens schnell von einem Mix aus hässlichen Gebäuden und Reklametafeln abgelöst, die vor allem Kleidung und Handys anpreisen. Und mitten zwischen den hübschen bunten Bildern aus der Werbung steht eine Plakatwand mit dem Photo von Johnny Allon. Der Hintergrund des Posters ist in einem unangenehmen Gelb gehalten und dieser Johnny Allon – und ich entschuldige mich hiermit bei ihm, seiner Familie und seinen Freunden – ist so abgrundtief hässlich, dass ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die Tafel in Sicht kommt.

Als den Mann das erste Mal sah, hielt ich ihn für einen schmierigen Wanderprediger und fragte mich, wie jemand mit diesem Aussehen und dieser obendrein seltsamen Frisur hoffen konnte, die Menschen für sich zu gewinnen und ihnen auch noch Geld aus der Tasche zu ziehen. Inzwischen habe ich gelernt, dass er ein abgehalfterter Musiker ist, der immer noch als TV Moderator unterwegs ist – was aber immer noch nicht erklärt, warum die Plakatwand neben der Autobahn steht und wer erlaubt hat, dass sie die Landschaft noch mehr verschandelt.

Also welche Seite gewinnt? Wenn ich mir die beiden Bilder so anschaue, dann entscheide ich mich für die nächtliche Skyline und den positiven, optimistischen Blick auf das Leben. Und wenn ich das nächste Mal zum Flughafen fahre, versuche ich, in die andere Richtung zu schauen. 

No comments:

Post a Comment