Die Rückkehr
nach Buenos Aires bringt immer gemischte Gefühle mit sich. Während ein Teil von
mir tief Luft holen muss und auf mich einredet, dass es ja gar nicht so schlimm
ist, freut sich die andere Hälfte darauf nach Hause zu kommen, zurück zum Haus,
meinem eigenen Bett, dem Altag – und natürlich zum Gatten, den ich dann meist länger
nicht gesehen habe.
Es gibt zwei
Bilder, die die zwei Herzen in meiner Brust irgendwie ganz gut
widerspiegeln.
Der Rückflug
nach Buenos Aires mit der Lufthansa ist ein Nachtflug, und wir erreichen Ezeiza
für gewöhnlich gegen sieben Uhr morgens. Das Lichtermeer, das sich beim
Landeanflug auf die argentinische Hauptstadt unter uns erstreckt ist schon ein
beeindruckender Anblick, und mit ein bisschen Glück geht sogar gerade die Sonne
auf, wenn die Maschine über der Stadt kreist und in den Sinkflug geht. Aus
dieser Perspektive sieht Buenos Aires tatsächlich wie eine Metropole aus, und
ich fühle mich immer ein wenig priviligiert in dieser Stadt zu leben, die
meinen vom Fernweh gebeutelten Freunden und Bekannten unweigerlich einen
Seufzer entlockt und sie mit glänzenden Augen von Tango, Melancholie und einer
weit entfernten Welt träumen lässt. Seltsamerweise sind die meisten noch nie
dort gewesen, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Die Schlange
vor dem Einwanderungsbeamten und dem Zoll verpasst dem magischen Moment hoch
über den Wolken meist ganz schnell den ersten Dämpfer. Was mich aber ganz
bestimmt auf den Boden der Tatsachen zurückholt ist die Fahrt nach Hause. Entlang
der Autobahn werden die grünen Flächen in der Nähe des Flughafens schnell von
einem Mix aus hässlichen Gebäuden und Reklametafeln abgelöst, die vor allem Kleidung und
Handys anpreisen. Und mitten zwischen den hübschen bunten Bildern aus der
Werbung steht eine Plakatwand mit dem Photo von Johnny Allon. Der Hintergrund
des Posters ist in einem unangenehmen Gelb gehalten und dieser Johnny Allon –
und ich entschuldige mich hiermit bei ihm, seiner Familie und seinen Freunden –
ist so abgrundtief hässlich, dass ich jedes Mal zusammenzucke, wenn die Tafel
in Sicht kommt.
Als den Mann
das erste Mal sah, hielt ich ihn für einen schmierigen Wanderprediger und fragte
mich, wie jemand mit diesem Aussehen und dieser obendrein seltsamen Frisur
hoffen konnte, die Menschen für sich zu gewinnen und ihnen auch noch Geld aus
der Tasche zu ziehen. Inzwischen habe ich gelernt, dass er ein abgehalfterter
Musiker ist, der immer noch als TV Moderator unterwegs ist – was aber immer
noch nicht erklärt, warum die Plakatwand neben der Autobahn steht und wer
erlaubt hat, dass sie die Landschaft noch mehr verschandelt.
Also welche
Seite gewinnt? Wenn ich mir die beiden Bilder so anschaue, dann entscheide ich mich
für die nächtliche Skyline und den positiven, optimistischen Blick auf das
Leben. Und wenn ich das nächste Mal zum Flughafen fahre, versuche ich, in die
andere Richtung zu schauen.

No comments:
Post a Comment