21 January 2013

Kulinarischer Streifzug: La Pecora Nera


Auf der Suche nach dem Restaurant für den Silvesterabend hatte ich einiges an Recherche im Internet und in der Tageszeitung betrieben und eine ganz ansehnliche Liste an potentiellen vielversprechenden Restaurants zusammengestellt, in denen wir noch nie gewesen waren. Also beschlossen wir, die Liste nicht einfach wegzuwerfen, sondern die Kandidaten auszuprobieren statt immer nur in die gleichen Lokale zu gehen.

Das erste Restaurant auf der Liste war La Pecora Nera, ein hochgelobter Italiener in Recoleta. Das allein war für mich schon eine Empfehlung, da ich dieses Viertel in Buenos Aires sehr mag – vermutlich, weil es dort ein bisschen aussieht wie in Barcelona. Apropos Empfehlung: Es ist ganz hilfreich, einen Tisch zu reservieren, da man nicht einfach von der Strasse hineinspazieren kann sondern erst klingeln und an der Tür vorstellig werden muss. Und da das Restaurant eher klein ist und sehr beliebt zu sein scheint sollte man sich lieber vorab einen Tisch sichern.

La Pecora Nera befindet sich in der Ayacucho, in deren Umgebung es zahlreiche Parkmöglichkeiten gibt – aber man sollte unbedingt die Hausnummer griffbereit haben, da es an dem Restaurant kein auffälliges Schild gibt. Der einzige Wegweiser besteht aus dem Logo, das auf die hohen Fensterscheiben aufgemalt ist. Diese sind mit beinah vollständig zugezogenen schwarzen Samtstores verhängt, so dass man nur einen Teil des Inneren ausmachen kann – was wiederum den Gästen die nötige Privatsphäre gibt ohne dass die Passanten ihnen auf die Teller starren.

Die Inneneinrichtung besitzt für mich auch die richtige Mischung aus Eleganz und Gemütlichkeit. Kronleuchter an der Decke verbreiten ein schönes Licht, die Tische sind schlicht, aber elegant eingedeckt, an den Wänden hängen vergoldete Spiegel und Gemälde, Holzvitrinen enthalten antiken Nippes und die Stühle sind bequem. Die Tische stehen nah genug beieinander, um eine gemütliche Atmosphäre zu verbreiten, aber entfernt genug, um den Gästen genügend Privatsphäre zu geben, und der Lärmpegel ist für ein Restaurant dieser Größe erstaunlich niedrig. Noch ein Rat: Bringt euch unbedingt eine Jacke oder einen Pulli mit. Die Klimaanlage ist ziemlich leistungsstark und der Raum ist auf gefühlte 15 Grad heruntergekühlt. Aber das gleiche gilt für beinah alle Restaurants in Südamerika.

Die Kellner sind sehr aufmerksam aber auch nicht zu sehr – wieder genau der richtige Mix fuer mich – und der Koch Daniel Hansen, scheinbar jemand Berühmtes in der lokalen kulinarischen Szene machte mehrfach seine Aufwartung an den Tischen. Wir lagen mit unserem Timing irgendwie genau dazwischen, so dass er nicht bei uns vorbeikam, aber das stoerte mich nicht sonderlich. Ich war nicht wegen seines Autogramms sondern wegen des Essens da – und das war genial.

Wir starteten mit dem Carpaccio di Vitello und einem Ruccula-Salat, und waehlten als zweiten Gang das Lamm-Risotto und frische Pasta mit einer Kürbis-Gruyere-Füllung und einer leckeren Sahnesauce. Da wir noch mit dem Auto zurückmussten, teilten wir uns eine kleine Flache Rotwein, was unsere Auswahl ein wenig einschränkte, da die Restaurants normalerweise nicht alle Weine in der kleineren Flasche anbieten. Aber die Empfehlung des Paares am Nachbartisch zahlte sich aus, und der Malbec war genau unser Geschmack. Um mehr probieren zu können, tauschten wir nach der Hälfte die Teller, und beide Gerichte kamen genau in der richtigen Menge, so dass wir uns im Anschluss noch einen Nachtisch teilen konnten. Wir entschieden uns für das Tiramisu – die einzige Enttäuschung des Abends. Aber ich habe da auch ganz genaue Vorstellungen, wie ein Tiramisu schmecken sollte, nämlich genau so wie es meine beste Freundin zubereitet. Von daher hätten wir vielleicht gleich etwas Anderes aus der vielversprechenden Dessertkarte wählen sollen.

Preislich liegt La Pecora Nera in etwa auf dem gleichen Niveau wie ein guter Italiener in Deutschland. Die Hauptgerichte kosten ungefähr zwischen 65 und 80 Pesos (was derzeit circa 12 Euro entspricht), und das ganze Abendessen hat uns an die 470 Pesos gekostet. Sie akzeptieren keine Kreditkarten, aber man bekommt bei Barzahlung einen Rabatt von 10%, was auch eine nette Geste ist.

Alles in allem hat es mir in La Pecora Nera sehr gut gefallen, und sobald wir meine Liste abgearbeitet haben gehen wir bestimmt noch einmal hin. Das Essen war gut, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und die Atmosphäre ist dort sehr entspannt.

La Pecora Nera im Netz: http://www.lapecoranera.com.ar

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