11 June 2011

Ein Tag nur für mich

Letzten Dienstag war mein Geburtstag, und da der Gatte nicht hier in Buenos Aires war, um mich zu unterhalten, musste ich mich selbst darum kümmern. Ich beschloss, einen Tag freizunehmen und mir einen Girlie-Tag zu gönnen. Da ich normalerweise nicht das typische Girlie bin, musste ich erst ein bisschen darüber nachdenken, hatte dann aber doch einen guten Plan zusammen.

Als erstes ging ich zum Frühstück in eines der kleinen Cafes in unserem Viertel Martinez. Ganz nach dem Motto „Nomen est Omen“ wählte ich das Glück Cafe. Außerdem machen sie Werbung für das Frühstück und den Brunch, und der deutsche Name hatte meine Neugier geweckt. Nun ja, letztlich blieb es dann doch nur bei Tee, einem Orangensaft und 2 Medialuna (süße, klebrige Teilchen, die an ein Croissant ohne dessen bröselige Konsistenz erinnern). Ich hätte natürlich auch richtig zulangen und mir ein Omelett dazubestellen können, aber dafür bin ich nicht so zu haben. Und so müssen wir eben weiter nach einem Restaurant Ausschau halten, wo sie ein echtes Frühstück oder einen richtigen Brunch anbieten.

Von Martinez aus nahm ich dann den Zug und die Subte in die Innenstadt – oder besser gesagt nach Palermo Hollywood, wo ich mir bei Queenies eine Maniküre gönnte. Ihr seht, ich habe beim Thema Girlie alles gegeben. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer riesigen Menschenmenge vor einer Radiostation vorbei, die scheinbar auf eine lokale Berühmtheit wartete. Ich machte mir nicht die Mühe zu fragen auf wen, erfuhr aber hinterher, dass sich Ricky Martin angesagt hatte. Zum Glück bin ich kein großer Fan. Aber ich bin inzwischen ein Fan von Queenies und Maira, der Maniküre, die mir mit viel Geduld meine Nägel und abgekaute Nagelhaut in Form brachte.

Nach all dieser Anstrengung hatte ich Hunger und ging ins Suedestada, ein nettes, entspanntes asiatisches Restaurant, wo ich mir ein gutes Mittagessen und ein Glas Weiswein schmecken ließ.  Um die Kalorien wieder abzubauen spazierte ich im Anschluss nach Palermo Viejo hinüber, einem weiteren hippen Viertel Buenos Aires’, wo ich mich in den zahlreichen Läden und Boutiquen umschaute. Am Wochenende findet dort auf der Plaza Cortazar alias Serrano ein kleiner Handwerkermarkt statt und in den Straßen herrscht immer großes Gedränge, doch unter der Woche ist es etwas ruhiger.

Von Palermo wanderte ich zum nächsten Punkt auf meiner Agenda, der bei einem echten Girlie-Tag in Buenos Aires nicht fehlen darf: Ein Besuch im Evita Museum. Ein absolutes Muss für die echten Fans und eine nette Abwechslung für den Rest. Das Museum ist in einem Stadtpalast untergebracht, der früher als Notunterkunft für obdachlose Frauen und Kinder diente und von der Fundación Eva Peron unterhalten wurde. Ihr könnt entweder mit einem AudioGuide hindurchspazieren, der euch an strategischen Stellen im Museum die Information ins Ohr spricht oder ihr könnt diese Info auch von den Tafeln an den Wänden ablesen, die in Spanisch und Englisch vorhanden sind. Und immer wieder könnt ihr euch original von Evita getragene Kleider, Schuhe und Accessoires anschauen und das atmosphärische Gemisch aus Heiligenverehrung und Duftkerzen aufsaugen.

Danach war ich reif für eine Tasse Tee und nahm ein Taxi zum Alvear Palace – eine Sache, für die Evita vollstes Verständnis gehabt hätte, da sie dort auch immer ihren High Tea einnahm. Normalerweise ist es ratsam, einen Tisch zu reservieren, aber ich hatte Glück und bekam auch ohne problemlos einen Tisch in dem wunderschönen Wintergarten. Und ich hatte obendrein das Glück, die typischen Gäste dieser Institution live bestaunen zu können: Eine Gruppe älterer Damen, die in vollem Staat (elegantes Kostüm, glitzernde Juwelen und natürlich mit Hut) an einem Nachbartisch saßen und den High Tea einnahmen. Und der High Tea im Alvear Palace kann sich sehen lassen.

Kleine Brötchen mit köstlichem Belag, hauchdünne Sandwiches mit Gurken, filigrane kleine Kuchen und Teilchen und natürlich Scones mit Marmelade. Dazu gab es selbstverständlich Tee bis zum Abwinken und ein Glas Schampus, das der nette Maitre de Plaisir großzügig immer wieder vollmachte. Herrlich!

Als ich glaubte, nichts mehr verdrücken zu können, schoben sie einen riesigen Kuchenwagen heran, der sich unter Käsekuchen und anderen zuckrigen Kunstwerken nur so bog. Netterweise bieten sie an, die Auswahl in einen kleinen Karton zu verpacken, damit man die Köstlichkeit mit nach Hause nehmen und später genießen kann. Das Angebot nahm ich natürlich dankbar an.

Ich traute meinen Augen nicht, als der Kellner zum Schluss mit zwei Schüsseln voller Trüffel vorbeikam. Glaubten sie wirklich, ich bräuchte noch eine Stärkung für den Heimweg? Oder hatten sie gerade ein Experiment am Start, um herauszufinden, wie hoch sie den Blutzuckerspiegel ihrer Gäste schrauben konnten, ohne dass sich diese in Zuckerstangen verwandeln? Ich lehnte dankend ab, nahm meinen kleinen Doggy Bag und fuhr mit dem Taxi nach Hause. Dort zog ich mir - zu voll, um überhaupt an das geplante Sushi Takeaway zu denken – etwas Bequemes an und sah mir Teil 2 von Fluch der Karibik an. Teil 4 läuft schließlich schon in den Kinos, und ich wollte mich rechtzeitig darauf einstimmen.

Alles in allem muss ich sagen, dass mein Geburtstag ein voller Erfolg war und ich das Konzept wirklich nur empfehlen kann. Einen ganzen Tag nur das machen was man will ... das werde ich mir auf jeden Fall für die Zukunft merken.



1 comment:

  1. Das klingt super!!! ich denke so was muss ich auch mal machen ein Girlie Day nur für mich.

    lg
    michaela

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