09 November 2012

Wir verbinden Sie gerne


Gestern Nacht klingelte das Telefon. Warum ich das erwähne? Nein, es war zum Glück nicht einer dieser furchtbaren Anrufe, über den man erfährt, dass Opa einen Herzinfarkt hatte oder sich ein schlimmer Unfall ereignet hat. Zum Glück war es nur ein Telemarketeer, der sich einen wirklich ungünstigen Zeitpunkt für seine Kalt-Akquise ausgesucht hatte.

Nein, ich erwähne diesen Umstand, weil wir zu dem Zeitpunkt seit ungefähr drei Monaten keine Verbindung gehabt hatten. Wir hatten schon mehrfach versucht, das Problem zu lösen, aber bis dahin ohne Erfolg. Wir hatten natürlich sofort bei der Telefongesellschaft angerufen, nachdem wir bemerkt hatten, dass die Leitung gestört war. Nun ja, eigentlich hatte uns ein Freund, der noch ein Hühnchen mit der Telekom zu rupfen hatte, das Angebot gemacht, sich der Sache anzunehmen.

Hier in Argentinien läuft die Sache nämlich normalerweise wie folgt. Man meldet das Problem, die Störstelle registriert den Fall und man bekommt eine Nummer. Die Telefongesellschaft hat dann 72 Stunden Zeit, die Störung zu beheben oder jemanden vorbeizuschicken. Da diese Deadline recht ambitioniert zu sein scheint, ist es beinah unmöglich, telefonisch durchzukommen, und unser Freund – wir schulden ihm dafür immer noch ein großes, großes Bier – musste sogar persönlich in einem der Läden vorbeigehen. Und nicht einmal dort konnte er mit einer richtigen Person sprechen sondern musste in eine Kabine gehen und die Störung per Telefon durchgeben. Ich finde dieses System ehrlich gesagt etwas bizarr, aber vielleicht ist das Leben als Telekom-Kundenberater einfach zu gefährlich in diesem Land. Zumindest nahm auf die Art jemand ab.

Ein paar Tage später kam tatsächlich ein Techniker der Telekom vorbei. Er prüfte den Hauptanschluss, erklärte ihn für funktionstüchtig und teilte mir mit, dass das andere graue Kabel (das vermutlich von einem Alarmsystem stammt) dem Telekom-Kabel in die Quere käme. Wir sollten mit unserem Vermieter sprechen und einen Elektriker bestellen, der das Problem löst.

Wir wussten nichts von einer Alarmanlage, die vermutlich von einem Vormieter installiert und benutzt worden war. Also riefen wir unseren Vermieter an, der uns erklärte, dass er eine private Telefonanlage installiert hatte, als er noch in dem Haus lebte – was die vielen Kabel in der Wand erklärte. Er gab uns die Telefonnummer der Firma, die das System damals installiert hatte, wir machten einen Termin aus und der Techniker kam prompt vorbei. Er prüfte die Leitung und was stellte sich heraus? Der Typ von der Telekom hatte mir Mist erzählt, da der Hauptanschluss, den er für funktionstüchtig erklärt hatte, ziemlich tot war.

Somit waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Diesmal delegierten wir das Hin und Her mit der Telekom an unseren Vermieter. Unser Anschluss lief auf seinen Namen und gehörte eigentlich zum Haus – also beschlossen wir, die Angelegenheit in seine fähigen Hände zu geben. Da wir zur Kommunikation mit der Familie und Freunden im Ausland vorwiegend Skype benutzen und unsere Handys eine gute Alternative für unsere Anrufe innerhalb von Buenos Aires sind, hatten wir das Festnetz nicht so oft benutzt. Wir wollten jedoch das Festnetz in der Hinterhand haben, falls mal wieder der Strom ausfiel oder das Mobilfunknetz zusammenbrach. Und schließlich bezahlten wir den verdammten Anschluss! Also baten wir unseren Vermieter, eine Lösung zu finden.

Es gelang ihm, die Störung anzumelden, aber die 72 Stunden verstrichen, ohne dass jemand mit uns einen Termin ausmachte. Und das war mehr oder weniger der gestrige Status Quo. Umso größer war also unsere Überraschung als letzte Nacht das Telefon klingelte. Einfach so funktionierte die Leitung wieder. Ich als skeptischer Mensch - und obendrein Deutsche – frage mich nun ständig „Wieso auf einmal?“, „Was war das Problem?“ und „Bleibt das jetzt so?“ Aber ich sehe keinen einfachen Weg, Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Von daher sollte ich mich wohl am besten entspannen, mich über die magische Reparatur freuen und meine Energie für andere Dinge aufsparen. 

Wie zum Beispiel den derzeitig drohenden Wassermangel ... Wegen der Stromausfälle in der Hauptstadt und einiger Gebiete in der Provinz von Buenos Aires ist der Wasserdruck zu niedrig und die Wassertanks auf unserem Dach laufen langsam leer.

Was soll ich sagen? Ich halte euch auf dem Laufenden.

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