Gestern Nacht klingelte das Telefon. Warum ich das erwähne?
Nein, es war zum Glück nicht einer dieser furchtbaren Anrufe, über den man
erfährt, dass Opa einen Herzinfarkt hatte oder sich ein schlimmer Unfall
ereignet hat. Zum Glück war es nur ein Telemarketeer, der sich einen wirklich
ungünstigen Zeitpunkt für seine Kalt-Akquise ausgesucht hatte.
Nein, ich erwähne diesen Umstand, weil wir zu dem Zeitpunkt seit
ungefähr drei Monaten keine Verbindung gehabt hatten. Wir hatten schon mehrfach
versucht, das Problem zu lösen, aber bis dahin ohne Erfolg. Wir hatten natürlich
sofort bei der Telefongesellschaft angerufen, nachdem wir bemerkt hatten, dass
die Leitung gestört war. Nun ja, eigentlich hatte uns ein Freund, der noch ein Hühnchen
mit der Telekom zu rupfen hatte, das Angebot gemacht, sich der Sache
anzunehmen.
Hier in Argentinien läuft die Sache nämlich normalerweise wie
folgt. Man meldet das Problem, die Störstelle registriert den Fall und man
bekommt eine Nummer. Die Telefongesellschaft hat dann 72 Stunden Zeit, die
Störung zu beheben oder jemanden vorbeizuschicken. Da diese Deadline recht
ambitioniert zu sein scheint, ist es beinah unmöglich, telefonisch
durchzukommen, und unser Freund – wir schulden ihm dafür immer noch ein großes,
großes Bier – musste sogar persönlich in einem der Läden vorbeigehen. Und nicht
einmal dort konnte er mit einer richtigen Person sprechen sondern musste in
eine Kabine gehen und die Störung per Telefon durchgeben. Ich finde dieses
System ehrlich gesagt etwas bizarr, aber vielleicht ist das Leben als
Telekom-Kundenberater einfach zu gefährlich in diesem Land. Zumindest nahm auf
die Art jemand ab.
Ein paar Tage später kam tatsächlich ein Techniker der Telekom vorbei.
Er prüfte den Hauptanschluss, erklärte ihn für funktionstüchtig und teilte mir
mit, dass das andere graue Kabel (das vermutlich von einem Alarmsystem stammt) dem
Telekom-Kabel in die Quere käme. Wir sollten mit unserem Vermieter sprechen und
einen Elektriker bestellen, der das Problem löst.
Wir wussten nichts von einer Alarmanlage, die vermutlich von
einem Vormieter installiert und benutzt worden war. Also riefen wir unseren
Vermieter an, der uns erklärte, dass er eine private Telefonanlage installiert
hatte, als er noch in dem Haus lebte – was die vielen Kabel in der Wand
erklärte. Er gab uns die Telefonnummer der Firma, die das System damals
installiert hatte, wir machten einen Termin aus und der Techniker kam prompt
vorbei. Er prüfte die Leitung und was stellte sich heraus? Der Typ von der
Telekom hatte mir Mist erzählt, da der Hauptanschluss, den er für
funktionstüchtig erklärt hatte, ziemlich tot war.
Somit waren wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Diesmal
delegierten wir das Hin und Her mit der Telekom an unseren Vermieter. Unser
Anschluss lief auf seinen Namen und gehörte eigentlich zum Haus – also
beschlossen wir, die Angelegenheit in seine fähigen Hände zu geben. Da wir zur
Kommunikation mit der Familie und Freunden im Ausland vorwiegend Skype benutzen
und unsere Handys eine gute Alternative für unsere Anrufe innerhalb von Buenos
Aires sind, hatten wir das Festnetz nicht so oft benutzt. Wir wollten jedoch
das Festnetz in der Hinterhand haben, falls mal wieder der Strom ausfiel oder
das Mobilfunknetz zusammenbrach. Und schließlich bezahlten wir den verdammten
Anschluss! Also baten wir unseren Vermieter, eine Lösung zu finden.
Es gelang ihm, die Störung anzumelden, aber die 72 Stunden
verstrichen, ohne dass jemand mit uns einen Termin ausmachte. Und das war mehr
oder weniger der gestrige Status Quo. Umso größer war also unsere Überraschung
als letzte Nacht das Telefon klingelte. Einfach so funktionierte die Leitung
wieder. Ich als skeptischer Mensch - und obendrein Deutsche – frage mich nun
ständig „Wieso auf einmal?“, „Was war das Problem?“ und „Bleibt das jetzt so?“
Aber ich sehe keinen einfachen Weg, Antworten auf diese Fragen zu bekommen. Von
daher sollte ich mich wohl am besten entspannen, mich über die magische
Reparatur freuen und meine Energie für andere Dinge aufsparen.
Wie zum Beispiel den derzeitig drohenden Wassermangel ... Wegen
der Stromausfälle in der Hauptstadt und einiger Gebiete in der Provinz von
Buenos Aires ist der Wasserdruck zu niedrig und die Wassertanks auf unserem
Dach laufen langsam leer.

No comments:
Post a Comment